02.11.2015

Flüchtlingsunterkunft in St. Andreasberg im Oberharz

Tja, still ist es im Moment um mich rum geworden. 

Genäht habe ich nur sehr wenig, bis gar nichts, manchmal ist eben Hilfe leisten wichtiger.


Da ich gestehen muss, das auch mein Vater aus dem Sudetengau ( heute Jugoslawien) mit seiner Familie geflohen ist und auch mein Schwiegervater aus Schlesien, muss ich gestehen, das es auch in unseren Familien Flüchtlinge gab und wir die Kinder davon davon sind.

Es gibt viele unterschiedliche Meinungen dazu,  das waren ja andere Zeiten und sie haben eine andere Kultur .

Andere Kultur: Es wundert mich wirklich wenn manche Menschen davon reden, das es ja die Menschen eine  andere Kultur haben, die nun zu uns kommen.

Wie kann jemand so reden der in Urlaub fährt, oder reisen wir etwa nicht in andere Länder.

Hand aufs Herz, wer von euch ist nicht schon in Länder gereist, in denen die Menschen eine andere Kultur haben. 
Da stört es niemanden, denn wir machen ja Urlaub, etwa in Ägypten, der Türkei, Afrika , bestimmt waren auch schon einige von euch gerade in den Ländern, aus denen heute die Flüchtlinge her kommen!

Andere Zeiten waren es wirklich, denn:

  Früher, waren die Menschen gebeutelt von dem 2 Weltkrieg hier in Deutschland. Die Menschen hatten wenig bis gar nichts! Trotzdem haben sie die Flüchtlinge nach Deutschland gelassen und ihnen Unterkunft gewährt.


Heute, leben die Menschen in einem gewissen Wohlstand, und die Gegner sind einfach nicht bereit etwas von ihrem Wohlstand abzugeben und anderen Menschen in einem  einigermaßen sicherem Land unterkommen zu lassen.

Was war denn nach der Grenzöffnung, auch da waren wir deutschen bereit die Menschen, die einmal zu unserem Land gehörten und durch eine Grenze von uns  getrennt waren, zurück  zu uns ins Land zu lassen.

Waren das Wirtschaftsflüchtlinge? Ich weiß von einigen, das sie sich das Begrüßungsgeld mehrmals geholt haben, kamen sie nur wegen dem Geld zu uns und auf die Hoffnung zu einem besseren Leben?
Gefahr für Leib und Leben bestand nach der Grenzöffnung auf jeden Fall nicht mehr!


Mich hat das alles nicht gestört und es stört mich auch heute nicht.


Ich muss sagen, es macht mich richtig traurig, wenn ich sehe unter welchen Bedingungen die Menschen heute aus ihren Ländern fliehen nur um überleben zu können!
Sie versuchen ja nur ihren Kinder das leben zu ermöglichen und nehmen deshalb so große Gefahren auf sich das die Gefahr besteht dass niemand aus der Familie überlebt.

Ich denke auch diese Menschen würden solche gefahren nicht auf sich nehmen, wenn sie Hoffnung auf ein einigermaßen sicheres Leben für sich und ihre Familien hätten.

Es beschämt mich als Deutsche, wenn ich in den Medien und Zeitungen Berichte über Gewalt,Verbrechen und Brandstiftung gegen über Flüchtlingen und ihre  Unterkünfte lese oder sehe.

Seit einigen Wochen bin ich in der Flüchtlingshilfe mehr oder weniger aktiv tätig.


In meinem Wohnort Bad Lauterberg  bin ich ja schon länger in der Kleiderkammer tätig, die wegen dem Zuzug von Flüchtlingen wieder zum Leben erweckt wurde. Dort konnte ich 1 x in der Woche helfen.

Da aber in dem Ort  in dem ich groß geworden bin,  eine Flüchtlingsunterkunft mit 1500 Bewohnern geöffnet wurde und es dort ganz anders aus sieht, helfe ich hier im Moment mal mehr mal weniger mit.
Was mich aber besonders freut, das meine gesamte Familie so denkt! So ist meine Schwester ( sie wohnt in dem Ort) meine Tochter und auch meine Nichte, immer mal wieder dort um zu helfen.



 Bekannt machen mit einer neuen Unbekanntem, dem Schnee!!


St.Andreasberg im Oberharz ist völlig überrollt worden von der schnellen Entscheidung der Politik  und des Landes Niedersachsen .
Ein Bericht im Heute Journal: Mediathek

Am Freitag den 9. 10.  2015 wurde bekannt gegeben, dass in der Rehberg-Klinik die seit 8 Jahren leer steht und eigentlich ein Kempinski Hotel werden sollte, vorerst ein Erstaufnahmelager für Asylsuchende werden soll.

Schon 2 Tage später, am 11.10.2015 kamen die ersten Bewohner dort an.

Ich finde es einfach großartig, wie die St. Andreasberger zusammen halten und diese  große Aufgabe gemeinsam lösen wollen.
Der Ort, in dem ich groß geworden bin, hat heute nur noch 1600 Einwohner und jetzt wohl auch genau so viele Asylsuchende.

Von 0 auf 100, vorher standen die Räume ja vollständig leer musste alles hergerichtet werden.
Kein Wunder, das in den ersten Tagen alles ein wenig hektisch war.

Alle hatten ja 0 Ahnung was auf sie zu kam und es musste sich erst zusammenspielen, doch der Wille war da und nun ist eine wirklich schöne und  für die vielen Mensche eine akzeptable Unterkunft geworden.
                                   
                               
Bilder von den ersten Tagen und nach 4 Wochen:
In den letzten Tagen und Wochen war ich mit meinem Mann  und auch oft allein in St. Andreasberg im Oberharz und wir haben da ein wenig die fleißigen Helfer mit unterstützt.
Als wir dort eintrafen, mussten erst einmal wieder Säcke mit dem nötigsten gepackt werden, neben Kopfkissen und Oberbett , werden in die Säcke noch 1 x warme Bettwäsche gepackt, 1 x Handtücher und Laken. 



                                    sowie Zahnbürste, 1xZahnpasta, und 1xDuschgel.

 

Alle registrierten Neuankömmlinge bekommen diese Dinge als Erstversorgung.

Von der Spendenbereitschft der Bevölkerung kann man wirklich begeistert sein, viele Spenden wurden bisher abgegeben.

Vorher
In der Kleiderkammer wurde auch Hilfe beim sortieren ect. benötigt. 





Was einfach noch fehlt sind hier die Regale und stabile Kleiderständer um hier etwas anständig zu sortieren, dass macht den Ehrenamtlichen Helfern sehr viel Mühe wenn nach Größen ect. gesucht wird. Da Regale bestellt sind, wird es wohl bald etwas einfacher sein.







Das Problem war hier, dass es noch keine Regale und wenig Kleiderständer gab, in die man alle Kleidung gut nach Größen sortieren kann.

Da diese Menschen meist körperlich schmal gebaut, schlank und oft auch groß sind fehlen hier trotz allem noch die entsprechenden Größen.

Es fehlen die einfachsten Dinge, wie Unterwäsche für alle, Kind, Frau, Mann, genau so wie Kleidung in kleineren Größen Damen z. B. 36, 38, 40,  Herren Gr. 46, 48, 50 genau so wie wetterfeste Schuhe und Stiefel, kleine wie große Größen. Oft wird hier nach Schuhgrößen 42,43,44,  gefragt.

Regale wurden gespendet und die immer währende Hilfsbereitschaft der Freiwilligen lassen es nun wirklich übersichtlich aussehen.

Heute:
















Da im Moment die vielen Spenden erst einmal gesichtet werden müssen, besteht im Moment Aufnahmestop! Bis auf wenige Dinge wie Herrenschuhe in den Größen 41,42,43,44, und immer wieder wird nach Reisetaschen und Koffern  gefragt. Die Menschen möchten, wenn sie das Erstaufnahmelager   verlassen, ihre Habseligkeiten gern mitnehmen.
Außerdem sind auch diese Dinge immer wieder heiß begehrt!
Sportsachen, wie Turnschuhe und Trainingsanzüge (Hosen). Da die Andreasberger mit den Bewohnern gern Fußball oder andere Sportarten spielen wollen!

Herrenunterwäsche in kleinen Größen


Kinderwagen und Karren (Buggys)

Windeln  - Größe 4,5,6

Flaschenständer zum Trocknen der gereinigten Babyfläschchen

Lätzchen

Breiteller und Babylöffel

Für die Beschäftigung der größeren Kinder:

Straßenkreide
Stifte aller Art 
Schulhefte
Papierscheren

Bälle
Roller und andere Kinderfahrzeuge (z. b. Bobby cars und Dreiräder)

Zimmerpflanzen 

...und einen abschließbaren Schrank !

 So sieht es heute nach 4 Wochen dort aus, viel geschafft wurde in dieser Zeit!

Vorher
Das sollte einmal das Spielzimmer werden damit die Kinder in der jetzt schlechten Jahreszeit ein wenig abgelenkt werden. Sie turnen auf Geländern und Balustraden herum,was doch ziemlich gefährlich ist

 .
Wirklich schöne Dinge sind hier für von der Bevölkerung gespendet worden.







                        Es  wurde für die Kinder auch viele schöne Spielzeuge gespendet!












Nachher!






                                                                                                                                                               












Noch ein wenig übersichtlich, doch Kinder setzen sich ja auch gern auf den Boden beim spielen. ist schon einmal ein toller Anfang.

Als die Kinder gemerkt haben, das wir das Spielzimmer fertig machen, waren sie kaum zu bändigen.
Leider durften sie noch nicht mit rein um zu helfen, damit es später keine Rivalitäten unter ihnen gibt, wer hat geholfen, wer nicht. Damit keiner wegen seiner Hilfe Besitzansprüche stellen kann.

Obwohl es heute schon wieder ganz anders aussieht, da auch hier Regale und  Sitzmöbel gespendet wurden, wollte ich diese Bilder gern zeigen.Außerdem gibt es Sozialpädagogen die Kinder beaufsichtigen.

Eine Waschküche mit Trockner ect. wurde auch bestückt, in der die Bewohner  ihre wenige Kleidung einmal durchwaschen können.

                     




























Einiges aus St. Andreasberg, um mit den Vorurteilen aufzuräumen!:

Eine Helferin vermisste ihren Nike Daunenmantel am Abend in der Kleiderkammer, er wurde wohl aus versehen  irgendwie an einen Asylanten ausgeben. In der Tasche befand sich der Autoschlüssel der Dame.
Der Tenor war einhellig, 1600 Leute, den Mantel bekommst du nie wieder!!!!
Am nächsten Tag wurde ein Zettel auf arabisch aufgehangen, das ein Autoschlüssel fehlt!

Knapp 3 Std. später, war die Jacke samt Autoschlüssel wieder da!


Es wurde in der Kleiderkammer ein Mantel ausgegeben, der neue Besitzer hat in den Taschen nagelneuer Silberschmuck  gefunden und zurück gegeben.
Kette
Ohrringe
Ring
(alles in einem kleinen Säckchen)

Da soll noch einmal jemand der nicht selbst Kontakt zu den Flüchtlingen hatte etwas negatives sagen!


Zeitungsbericht Weser Kurier vom 18.10.2015

Verlinkt auch bei MontagsfreudenCrealopee



Kommentare:

  1. Very comprehensive article. It really covering all aspects of the field.

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  2. Großartig! Fein, dass du da bist!
    1600 Leute und nochmal so viele Flüchtlinge... das ist eine Herausforderung!!!
    Danke!

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  3. danke dir martina, dass du trotz der vielen unterstützung noch zeit findest so ausführlich über das heim und die helfer zu berichten - es ist wichtig, dass man den leuten zeigt, was man zu leisten in der lage ist, wenn alle zusammen halten...

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    1. Freut mich liebe Patricia, ich hatte das schon länger vor und ich finde es auch sehr wichtig den Menschen zu zeigen was die Helfer leisten, die so uneigennützig den ankommenden Menschen helfen.

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  4. Nur so kann es gehen, wenn alle mit anpacken. ♥ Danke für den tollen Bericht!

    Liebe Grüße
    Sarah

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  5. Großartig!!
    danke für deine Hilfe

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  6. Sehr schön geschrieben!
    Es macht mir auch Spaß dort zu helfen, wenn es meine Zeit zu lässt.
    Ansonsten schaue ich mal kurz bei einer mitlerweile befreundeten "Syrischen" Familie dort vorbei

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  7. Es war mir ein Herzensbedürfnis, Die arbeit die dort geleistet wird, sollte auch anerkannt werden.

    Ich komme, so oft es mir möglich ist, meist 3 x die Woche. Leider kann nicht nicht immer mal schnell vorbei schauen, da je Strecke immer 30 Min. Fahrtzeit eingeplant werden müssen.

    Es ist schön, wenn die Bewohner auch den Kontakt zu den Einwohnern haben, das erleichtert ihnen das Einleben ungemein, finde ich ganz toll von dir.

    LG

    moni

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  8. Danke für deinen Bericht, ich fand ihn sehr interessant, zumal ich die dortigen Gegebenheiten ja auch kenne.

    Viele Grüße,
    Frau Mena.

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